Job kündigen zum Reisen, Auszeit nehmen oder Sabbatical?

Du bist mit dem Studium fertig? Dann hast du vielleicht vor dem Einstieg ins Berufsleben erst Mal Lust auf eine Auszeit und ein paar Monate Auslandaufenthalt. Oder du hast schon ein paar Jahre gearbeitet und deine Reisekasse prall gefüllt und willst nun endlich deinen Traum von einer Weltreise verwirklichen. Was aber ist mit der Arbeitsstelle? Künden, unbezahlten Urlaub oder ein Sabbatical anfragen? Wer bereits im Ruhestand ist oder eine frühzeitige Pensionierung plant, braucht sich um das Thema Arbeitsstelle keine Gedanken zu machen. Um so wichtiger ist aber das Thema Finanzen.

Kündigung oder Auszeit?

Es gibt eine entscheidende Frage, die du dir stellen solltest. Willst du deine Arbeitsstelle aufgeben, um nach der Rückkehr etwas ganz Neues in Angriff zu nehmen oder möchtest du gerne wieder beim gleichen Arbeitgeber einsteigen? Wenn dir der Job Spass macht und du deine Arbeitsstelle behalten möchtest, sprich mit deinem Arbeitgeber über deine Pläne. Allenfalls gibt es die Möglichkeit eines Sabbaticals. Einige Firmen stehen einer Auszeit von drei bis sechs Monaten offen gegenüber. Teilweise gibt es sogar Firmen, die eine Auszeit bis zu drei Jahren gewähren. Wenn du dann noch Glück hast, wird ein Teil des Versicherungsschutzes vom Arbeitgeber gewährleistet, die du während der Auszeit benötigst. Das ist aber in der Schweiz leider noch immer eine Seltenheit. Trotz allem, fragen kostet nichts und oft gibt es überraschende Lösungen. Klar, es kommt ganz auf die Firma, deinen Chef und deine Position an. Es ist nicht immer ganz einfach für einen Arbeitgeber eine geeignete Übergangslösung während einer mehrmonatigen oder sogar 1-jährigen Abwesenheit zu finden. Wichtig ist, frag nach und sprich offen über deine Pläne.

Lass dich nicht entmutigen, wenn du kündigen musst

Oft ist eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses unumgänglich, vor allem dann, wenn die Reisezeit noch unbestimmt ist. Auch wenn der Job gekündigt werden muss, solltest du dich nicht entmutigen lassen. Auf einer Weltreise erlebst du soviel und die neugewonnenen Erfahrungen sind sehr wertvoll. Du erweiterst deinen Horizont und lernst Dinge die Dich in Zukunft weiterbringen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt? Nach dem Studium, mitten im Arbeitsleben oder im Ruhestand

Vom Zeitaspekt her gehst du idealerweise direkt nach dem Studium auf Weltreise. Ein Nachteil dabei sind jedoch die Finanzen. Nach dem Studium haben die Wenigsten das nötige Kleingeld, um sich eine Weltreise verwirklichen zu können. Das würde dafür sprechen, dass du nach dem Studium deinen ersten richtigen Job annimmst und Geld verdienst. Zumindest soviel, dass es für deine geplante Reise und eine Reserve für den Wiedereinstieg nach der Rückkehr reicht.

Hast du die Chance auf unbezahlten Urlaub oder ein Sabbaticaljahr?

Eine Weltreise mitten im Arbeitsleben zu planen hat grosse Vorteile. Erstens du hast bereits Berufserfahrung gesammelt, das hilft dir nach der Rückkehr beim Wiedereinstieg in das Berufsleben. Zweitens, du hast verdient und allenfalls bereits einen grösseren Betrag gespart, sodass du sofort mit der Reiseplanung beginnen kannst oder zumindest nur noch wenige Monate für die Reise sparen musst.

Bist Du mitten im Arbeitsleben ist es schwieriger den Schritt zu wagen. Bei den wenigsten Firmen ist es möglich, ein ganzes Jahr unbezahlten Urlaub oder ein Sabbaticaljahr zu nehmen. Hast du sowieso einen Stellenwechsel im Sinn, ist das ein idealer Zeitpunkt eine längere Reise zu planen. Bist du jedoch glücklich im Job, möchtest diesen nicht aufgeben und trotzdem auf Weltreise? Dann ist es sicher eine schwierige Entscheidung. Sprich mit Deinem Arbeitgeber und allenfalls lässt sich ja etwas arrangieren, damit du ein paar Monate unbezahlten Urlaub einziehen kannst. Ist das nicht möglich bleibt dir nur die Kündigung der Arbeitsstelle.

Träumst du schon lange von einer Weltreise, dann tu es. Wage den Schritt. Eine Weltreise oder Langzeitreise ist doch etwas Einmaliges. Du wirst nach der Reise um unzählige Erfahrungen reicher sein. Und die Erinnerungen deiner Erlebnisse bleiben dir ein Leben lang.

Die Jobsuche nach der Rückkehr wird sicher nicht einfach, aber auch nicht viel schwerer als bei einem normalen Stellenwechsel. Wir haben bei Bewerbungsgesprächen meist positives Feedback zu unserer Reise erhalten. Eine Reise erweitert den Horizont und wer reist, lernt viel über die Welt, andere Kulturen und Menschen. Zudem ist Reisen nicht immer nur „Sun and Fun“, es gibt auf der Reise viel zu organisieren, entscheiden und verhandeln. Genauso wie im Berufsleben.

Weltreise im Ruhestand

Viele träumen das Leben lang von einer Weltreise. Wenn wir von unseren Reiseplänen reden, hören wir von vielen Bekannten und Freunden, wenn ich dann im Ruhestand bin, werde ich auch eine Weltreise machen. Das ist natürlich auch eine Möglichkeit. Nach der Pensionierung ist genügend Zeit und es gibt praktisch keine Verpflichtungen. Wer genügend Geld auf die Seite gelegt hat und gesund ist, kann nach der Pensionierung das Reisen in vollen Zügen geniessen. Sicherlich wird eine Reise im Ruhestand ganz anders aussehen als nach dem Studium. Im Alter sind die Ansprüche an mehr Komfort meist höher als bei jungen Leuten. Ansonsten stellst du dir dieselben Fragen wie alle, die eine lange Reise planen. Was machst du mit der Wohnung oder dem Haus während deiner Abwesenheit? Welche Versicherungen sind notwendig? Einen grossen Vorteil hast du jedoch gegenüber anderen Reisenden. Bist du im Ruhestand, brauchst du dir nämlich keine Gedanken um die Jobsuche nach der Rückkehr zu machen.

Frühzeitiger Ruhestand

Wer mit der Weltreise nicht bis zur Pensionierung warten will, sollte sich frühzeitig mit dem Thema auseinander setzen. Mit 60 auf Weltreise, während die anderen noch weitere fünf Jahre arbeiten müssen bis sie den Ruhestand geniessen können? Klingt herrlich. Aber Vorsicht, es ist wichtig, dass du dich sehr früh um die Finanzierung kümmerst und die Überbrückung bis zum regulären Pensionsalter genau abklärst. Nicht dass aus deinem Traum ein Albtraum wird.

Wir waren Spätzünder, aber das hat sich für uns ausgezahlt

Wir sind erst mit 34 Jahren losgezogen. Immer wieder haben wir unseren Wunsch der langen Reise herausgezögert. Karriere, Haus und Besitztümer haben uns lange am grossen Schritt gehindert. Vor allem nicht zu wissen, was danach kommt hat uns beunruhigt. Wir sind froh, den Schritt gewagt zu haben. Nach drei Reisejahren sind wir in die Schweiz zurückgekehrt und innerhalb von drei Monaten haben wir in unseren angestammten Berufen wieder eine Arbeitsstelle gefunden. Die ganze Sorge war also umsonst.

Knapp zwei Jahre lang haben wir brav in unseren angestammten Jobs gearbeitet, aber das Fernweh war schlussendlich stärker. Wir haben unsere Reisejahre so sehr genossen, sodass wir uns ein Leben als Büromenschen nicht länger vorstellen konnten. So haben wir uns entschieden wieder loszuziehen. Im Herbst 2011 haben wir das zweite Mal die Heimat verlassen und haben zwei Jahre lang als Tauchlehrer auf der Malediveninsel Komandoo gelebt und gearbeitet. Auf der Insel wurde der Drang mehr von der Welt zu entdecken immer grösser.

Die Welt ruft. Ende 2013 starten wir unseren Road Trip durch Australien. Auf unserem Blog SwissNomads kannst du unsere Reise auf vier Rädern verfolgen.

TIPP: Wage den Schritt, reise und du wirst belohnt mit unvergesslichen, eindrücklichen Erlebnissen und Begegnungen. Erweitere deinen Horizont. Du wirst es nicht bereuen. Aber Vorsicht, Reisen macht süchtig!